Auf Zehenspitzen (Folge 5)
Shownotes
Stalino – Geschichten einer besetzten Stadt.
Episode 5: Auf Zehenspitzen
Stalino – Geschichten einer besetzten Stadt erzählt vom Leben unter deutscher Besatzung während des Zweiten Weltkriegs im Donbas. In Episode 5: Auf Zehenspitzen werfen wir einen Blick auf die Bretter, die die Welt bedeuten - eine junge Balletttänzerin wird im Zweiten Weltkrieg zur Primaballerina in Stalino, dem heutigen Donezk. Ist ihre Kunst schon Kollaboration mit den Nazis?
Triggerwarnung: Bitte behaltet im Hinterkopf, dass Gewalt und Tod dauerhafter Begleiter unter der deutschen Besatzung waren. Schaut also, ob ihr die Folge lieber an einem anderen Tag oder in Begleitung hören wollt, falls es euch gerade nicht so gut geht.
Wenn ihr mehr über Stalino/Donezk erfahren wollt, schaut auf stalino.dekoder.org vorbei. Dort findet ihr Hintergrundtexte, Bilder, Grafiken und Karten zur Geschichte der deutschen Besatzung im Donbas im Zweiten Weltkrieg.
Weitere Links zu Hintergrundmaterialien und -artikeln findet ihr hier: Linktree
Ein Podcast von dekoder in Kooperation mit der Universität Heidelberg, produziert von Berlin Producers Media.
Das Projekt wird in der Bildungsagenda NS-Unrecht von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) gefördert.
Moderation: Jasmin Lörchner
Sprecher*innen: Prof. Dr. Dmytro Tytarenko – Mirko Drotschmann, Jelena Gortschakowa – Alice Bota, Toni Graschberger – Peter Becker, In weiteren Rollen: Dr. Matthias von Hellfeld
Wissenschaftliche Redaktion: Prof. Dr. Tanja Penter, Prof. Dr. Dmytro Tytarenko, Dr. Jasmin Söhner
Journalistische Einordnung ins Heute: Luzia Tschirky
Projektleitung dekoder: Leonid A. Klimov
Skript: Dr. Saskia Geisler
Audioproduktion, Sound Design und Mischung: Bony Stoev
Redaktionelle Mitarbeit und Produktion: Josephine Schneider
Producerin Berlin Producers Media: Jessica Krauß
Audioaufnahmen: Cornelius Rapp
Artwork / Cover: Village One
Übersetzerinnen: Jennie Seitz und Ruth Altenhofer
Transkript anzeigen
00:00:01: Jelena Gortschakowa: Zum ersten Mal bin ich in diesem Ballett auf die Bühne hinaus und habe in einen übervollen Zuschauerraum geblickt. Es war die erste Ballettaufführung in Stalino – ein voller Erfolg!
00:00:12: Jasmin Lörchner: Stell dir vor, du hast dein Leben lang dafür gekämpft, auf die Spitze zu kommen. Im wahrsten Sinn des Wortes. Du bist Balletttänzerin. Träumst von der großen Bühne. Deine Füße haben geblutet. Du hast geschwitzt, dich vor Anstrengung übergeben. Aber du hast es geschafft. Du hast endlich dein Diplom in den Händen – die Zukunft wartet auf dich, die Ballettbühnen stehen dir offen. Der große Applaus ist nur Wimpernschläge entfernt. Aber dann hörst du Bomben fallen. Dann kommt der Krieg. Ich bin Jasmin Lörchner – Geschichtsjournalistin, Podcasterin und Autorin. Das hier ist der letzte Teil unserer Podcastserie über die deutsche Besatzung im Südosten der Ukraine, genauer gesagt in der Stadt, die wir heute Donezk nennen. Auch in dieser Folge werden Gewalttaten geschildert – bitte schaut in die Shownotes, wenn ihr diese lieber überspringen wollt. Ihr hört…
00:01:11: Jasmin Lörchner: STALINO. Geschichten einer besetzten Stadt. Ein Podcast von dekoder in Zusammenarbeit mit dem Historischen Seminar der Universität Heidelberg Folge 5: Auf Zehenspitzen
00:01:32: Jelena Gortschakowa: Ballett ist die Kunst des darstellenden Tanzes, sie besteht aus tänzerischen und mimischen Bewegungen, begleitet von Musik, ausgedrückt in Bildern. Im Ballett sind Dramaturgie, bildende Kunst und Musik vereint. Diese Künste existieren im Ballett nicht für sich, sondern bilden eine Einheit, die der Choreografie folgt. Die Verwandtschaften zwischen den Künsten machen das Ballett zur höchsten Form der Choreografie.
00:01:59: Jasmin Lörchner: Das klingt erst einmal wie ein Zitat aus einer anderen Welt. Der Welt der Kunst. Jelena Gortschakowa ist durch und durch Balletttänzerin. Und sie hat Großes vor. Sie will die Bühne erobern. Am Anfang ist dieser Traum sicher sehr weit weg für sie. Denn sie ist 1924 in Stalino geboren – in einer großen Industriestadt, in der sich alles um Bergbau und Metallproduktion dreht, aber wenig um Kunst. Trotzdem gelingt es ihr, auf eine Ballettschule zu kommen. Sie kämpft sich durch, sie geht über ihre Grenzen. Ihre Eltern und Geschwister bleiben hunderte Kilometer entfernt in ihrer Heimatstadt, während sie in Kyjiw, der Hauptstadt der Ukrainischen Sowjetrepublik, auf einem Lyzeum unterrichtet wird. – Alles für die Liebe zum Tanz. Und am 21. Juni 1941 kommt sie diesem Traum einen Riesensprung näher. Endlich hat sie ihr langersehntes Diplom in den Händen. Die Bühnen stehen ihr offen! Aber als sie am nächsten Morgen aufwacht, ist alles anders.
00:03:02: Jelena Gortschakowa: Der nächste Tag sollte mir den Vorhang zur großen Kunst lüften, doch am 22. Juni, einem sonnigen Sonntag, detonierten am frühen Morgen, noch vor der Kriegserklärung, die faschistischen Bomben in Kyjiw, der friedlichen, wundervollen Stadt meiner Kindheit und Jugend. Der Feind fiel brutal in die Ukraine ein. Mein künstlerischer Werdegang wurde durch den Krieg für lange Zeit unterbrochen.
00:03:27: Jasmin Lörchner: Jelena ist 17 Jahre alt, als der Krieg ihr so harsch ihren Traum raubt. Ihr erster Impuls ist, die Stadt zu verlassen. Sie will zurück zu ihrer Familie. Nach Stalino. Aber sie schafft es nicht auf einen der Evakuierungstransporte. Also zieht sie zu Fuß los. Sie, die Tänzerin, die ihre Füße so dringend braucht, läuft sich erst die Schuhe kaputt, dann ihre Fußsohlen. Fast einen Monat lang ist sie unterwegs. In Dnipro, dem damaligen Dnipropetrows’k, ca. 450 Kilometer südöstlich von Kyjiw, wird sie endlich von einem Militärtransporter mitgenommen. Die Soldaten sind wahrscheinlich selbst gerade auf dem Rückzug. Und so schafft sie es endlich nach Stalino. Zu ihrer Familie. Ihr wisst ja schon aus unseren früheren Folgen, dass Tanja Penter und Dmytro Tytarenko von der Universität Heidelberg einige der Interviews geführt haben, auf denen unser Podcast basiert. Herr Tytarenko, Sie wollten auch Jelena Gortschakowa interviewen und haben sie noch kurz persönlich kennengelernt. Bitte schildern Sie uns doch diese Situation.
00:04:34: Dmytro Tytarenko: Es war im Archiv in Freiburg, als ich zufällig auf diese Zeitung stieß, „… und abends in die Front-Oper“. Darin wurde sie erwähnt. Als ich dann in Donezk war, habe ich das Theater kontaktiert und gefragt, ob sie von ihr gehört haben, ob sie sie kennen. Sie sagten ja. Daraufhin traf ich mich mit einer Mitarbeiterin des Theaters. Sie hat versprochen, mich mit dieser Gortschakowa zusammenzubringen. Ja, aber dann war das Einzige, was ich von ihr bekommen konnte, eine Telefonnummer. Als ich da anrief, hatte ich das Gefühl … oder kein Gefühl, sondern es war so, dass Gortschakowa sehr reserviert war, extrem reserviert. Dann habe ich noch mal mit ihr telefoniert, und sie hat mich zu einer Präsentation ihres Buches im Haus der Kulturarbeiter eingeladen. Ich bin da also hin, zu dieser Buchvorstellung … Danach habe ich sie angesprochen … Und sie sagt: „Ja, ja, ich melde mich. Telefonieren wir, lassen Sie uns sprechen, aber nicht jetzt.“ Tja, und bald darauf ist sie gestorben.
00:05:30: Jasmin Lörchner: Wie im Fall Ejchmann in der zweiten Folge, haben wir also auch für diese Folge kein direktes Interview mit Jelena. Aber wir haben ihre Autobiografie. Dmytro Tytarenko erzählt es ja schon – Jelena, die wir eigentlich respektvoller als „die Gortschakowa“ bezeichnen müssten, war sehr vorsichtig, über ihr Handeln in der Besatzungszeit zu sprechen. Als Person des öffentlichen Lebens in der Nachkriegszeit war ihr ein gutes Ansehen besonders wichtig. Das sollten wir also bei den Zitaten im Hinterkopf behalten. Und vielleicht erklärt es auch, warum sie sich über die Besatzung eher knapp äußert.
00:06:09: Jelena Gortschakowa: Wir kamen mit einem Diplom, einem Komsomol-Ausweis und einem Paar Spitzenschuhen zurück nach Hause. Sie waren mein Glücksbringer, den ich hoffnungsvoll all die schrecklichen Kriegsjahre hindurch aufbewahrt habe…
00:06:21: Jasmin Lörchner: Jelena kommt also vollkommen erschöpft und nur mit dem Nötigsten in Stalino an. Hier ist sie geboren. Hier leben ihre Schwester, ihre Eltern. Sie selbst war aber so lange in Kyjiw, dass sie den Neubau des örtlichen Theaters noch gar nicht gesehen hat. Das imposante Gebäude mit den massiven Säulen von außen und dem prachtvollen Saal wurde erst kurz vor dem Kriegsausbruch im April 1941 eingeweiht. Der Betrieb geht gerade erst richtig los mit den ersten Vorstellungen. Als Jelena jetzt das Gebäude entdeckt, gerät sie regelrecht ins Schwärmen – und es keimt Hoffnung in ihr auf. Darf sie tanzen? Darf sie auf die Bühne, wie sie es immer wollte?
00:07:03: Jelena Gortschakowa: Ich bin in das neue Haus des frisch eröffneten Theaters eingetreten wie ins Paradies. (…) Ein wunderschöner Publikumssaal mit einem Kronleuchter und einem riesigen hängenden Balkon, die Bühne wie ein Abgrund, lauter Seile und Glocken – so eine Bühne sah ich da zum ersten Mal.
00:07:26: Jasmin Lörchner: Jelena hat Glück – sie wird wirklich angeheuert. Für mich klingt das aber erstmal komisch: Da naht der Krieg, die Front. Und ein Theater tut so, als wenn nichts wäre. Aber wahrscheinlich ist das genau diese Gleichzeitigkeit von Alltag und Bedrohung, von der wir auch schon in der Erinnerung der anderen Zeitzeug:innen in den vorigen Folgen gehört haben. Und natürlich ist da auch die Sehnsucht der Künstlerinnen und Künstler nach Applaus! Selbst wenn im Hintergrund Bombenexplosionen zu hören sind.
00:07:56: Jelena Gortschakowa: Zum ersten Mal bin ich in diesem Ballett auf die Bühne hinaus und habe in einen übervollen Zuschauerraum geblickt. Es war die erste Ballettaufführung in Stalino – ein voller Erfolg!
00:08:09: Dmytro Tytarenko: Ja, was Theater betrifft, gab es in Stalino vor dem Krieg … Gerade mal ein paar Monate vor dem Krieg wurde ein wirklich großartiges Ballett- und Operntheater eröffnet. Nach den ersten Vorstellungen an diesem Haus hat dann schon der Krieg begonnen. In den ersten Monaten der Besatzung konnten sie ihren Betrieb fortsetzen, obwohl … obwohl sich bereits abgezeichnet hat, dass sich die Front nähert. Zentral gesteuerte Maßnahmen zur Evakuierung der Schauspieler gab es nicht. So wurde zwar ein Teil der Schauspieler evakuiert, aber die meisten sind in der belagerten Stadt geblieben.
00:08:41: Jasmin Lörchner: Den Behörden ist höchstwahrscheinlich klar, dass die Stadt von Deutschen besetzt werden wird. Den Chefs des Theaters vielleicht auch. Aber Jelena erinnert sich Jahrzehnte später, dass sie ihr Wissen allerdings nicht an ihre Mitarbeiter:innen weitergeben. Ganz im Gegenteil.
00:08:57: Jelena Gortschakowa: Einen Tag vor der Premiere gab es eine Versammlung für alle Techniker und Ensemblemitglieder, bei der die Leitung der gesamten Belegschaft versichert hat, dass Stalino nicht von den Faschisten erobert würde. Dann machten sich alle wieder an die Arbeit. Am Ausgang des Zuschauerraums hat die Leiterin der Personalabteilung gestanden und gesagt: „Wer will, kann sein Arbeitsbuch mitnehmen, für alle Fälle.“
00:09:19: Jasmin Lörchner: Das Arbeitsbuch ist wie eine Art Personalausweis, der beim jeweiligen Arbeitgeber hinterlegt wird – wer es mitnimmt, verbindet damit also die Hoffnung, in einer anderen Stadt, an einem anderen Theater, wieder Anstellung zu finden. Aber Jelena will in Stalino bleiben. Auch ihre Mutter und Geschwister gehen nicht. Jelena hofft, dass die Rote Armee ihre Heimatstadt wirklich schützen wird. Einige ihrer Kolleg:innen entscheiden sich dann aber doch für eine spontane Evakuierung, die eher wie Flucht wirkt. Die Mitarbeiter:innen steigen in drei LKWs ein und versuchen, aus der Frontnähe weg zu fahren. Aber der Fluchtkonvoi wird auf der Flucht bombardiert. Es gibt Todesopfer. War es also die richtige Entscheidung zu bleiben? Kann Jelena das jetzt schon wissen? Wir können ehrlicherweise nur spekulieren, wie Jelena sich damals gefühlt hat. Wie schwer es sein muss, ständig abzuwägen: Bleiben? Oder gehen? Wie gesagt, sie äußert sich nicht sehr ausführlich zur Besatzung. Und vor allem bleiben die drastischen Schilderungen aus, die ihr aus früheren Folgen kennt. Dieses Chaos der Anfangstage, die dauerhafte Bedrohung, sie kristallisiert sich in nur wenigen Szenen und Sätzen heraus – zum Beispiel in der Beschreibung des Lebens ihrer Familie.
00:10:40: Jelena Gortschakowa: Ein paar Stunden vor der Besetzung der Stadt ist mein Vater zu einem Metallwerk gegangen, um einen besonderen Auftrag der Partei zu erfüllen: einen Gasspeicher zu sprengen, den er selbst gebaut hatte. Er ist danach nicht wieder nach Hause gekommen. Eineinhalb Jahre später war er für ein paar Tage wieder da und ging dann an die Front. Eine kommunistische Familie in einer faschistisch belagerten Stadt. Meine Mutter lebte mit ihren vier Kindern in Todesangst, wir hofften immer auf gute Menschen. Damals war in unserem Volk die Barmherzigkeit sehr stark ausgeprägt.
00:11:15: Jasmin Lörchner: Klar, hier ist zu merken, dass es sich um aufgeschriebene Erinnerungen handelt. Aber trotzdem schimmert hinter der Fassade etwas durch: Die Angst um die Familie. Die permanente Bedrohung, die die Besatzung bedeutet. Für Jelena ist der Beginn der Besatzung neben all dem Chaos auch ein persönlicher Tiefpunkt. Sie hat gerade ihre ersten Karriereschritte gemacht und jetzt wird sie schon wieder ausgebremst. Das Ballett tritt erstmal nicht wieder auf. Und trotzdem geht Jelena jeden Tag ins Theater. Denn die Deutschen etablieren sofort ein strenges Arbeitsregime. Es ist wichtig, eine Arbeit nachweisen zu können, um nicht zur schweren körperlichen Arbeit gezwungen oder gar nach Deutschland geschickt zu werden. Im Theater treibt das Blüten: Die Chorproben werden neuerdings von NS-Schergen bewacht, um zu überprüfen, dass auch alle laut mitsingen. Auch Jelena ist jetzt erstmal Teil des Chores, weil das Ballett eben noch nicht wieder auftritt.
00:12:13: Jelena Gortschakowa: Die Bevölkerung wurde von der Militärkommandantur der Besatzer streng kontrolliert. Das faschistische Regime war grausam. Ausnahmslos alle mussten arbeiten. Ich musste täglich ins Theater zum Appell, den eine Gesangslehrerin an der musikalischen Oberschule in Stalino durchführte. Sie war eine weise, gütige, höchstkultivierte Frau, die ihr Leben riskierte, um Chorsänger, Lehrende, Hochschuldozenten und uns Balletttänzerinnen in diese Liste einzutragen. Auch Lehrpersonal des polytechnischen Instituts war dabei.
00:12:47: Jasmin Lörchner: Die Gruppe wird da auch zu einer Schicksalsgemeinschaft. Die Kolleginnen und Kollegen halten zusammen in einer chaotischen Zeit. Jelena beschreibt dafür sinnbildlich diese Szene:
00:12:58: Jelena Gortschakowa: Ich habe sie in Erinnerung behalten, wie sie kaputte Möbel aus dem Theater holen, für ein Feuer, um Suppe aus einem Pferdebein zu kochen. Sie kämpften ums Überleben, aber vergeblich.
00:13:11: Jasmin Lörchner: Eine Suppe aus einem Pferdebein – hier hört man wieder einmal den Hunger heraus, der zu dieser Zeit herrschte. Es ist irgendwie bizarr, dass in diesem ganzen Elend eine ganze Reihe Leute auf einer Arbeitsliste vom Chor landen wollen. Frau Penter, können Sie uns nochmal die Zusammenhänge der Arbeitspolitik der Deutschen erklären?
00:13:30: Tanja Penter: Ende 1941, als man noch an einen erfolgreichen Blitzkrieg glaubte, da diente der Arbeitseinsatz den Besatzungsbehörden noch weniger primär wirtschaftlichen Zwecken, sondern er sollte vor allem die arbeitslose Stadtbevölkerung produktiv binden und ihre Abwanderung aufs Land verhindern. Man wollte auch die Stadtbevölkerung, die im Verdacht stand, eben besonders widerständig zu sein, durch diese Beschäftigung von oppositioneller Tätigkeit, von widerständiger Tätigkeit abhalten. Arbeitsämter waren damals zunächst nur mit ein, zwei deutschen Beamten besetzt, gehörten zu den ersten Verwaltungseinrichtungen in den besetzten Gebieten. Ihnen unterstanden dann oft aber hunderte einheimische Kräfte. Ihre Hauptaufgabe war die vollständige Erfassung aller Arbeitskräfte für den lokalen Bedarf und ab 1942 dann auch für den Reichseinsatz, für die Verschleppung zur Zwangsarbeit ins Reich. Bereits im August 1941 war eine allgemeine Arbeitspflicht für Nichtjuden zwischen 18 und 45 Jahren und auch ein Arbeitszwang für Jüdinnen und Juden zwischen 14 und 60 Jahren eingeführt worden. Später wurde das dann noch weiter verschärft. Verstöße dagegen wurden mit Geldstrafen, Arbeitslager oder Haft geahndet.
00:14:50: Jasmin Lörchner: Angesichts dieser Arbeitspolitik ist es erstaunlich, dass ein Chor als Arbeitsplatz gilt. Und dass das Theater nicht geschlossen wird, sondern ganz im Gegenteil ausgebaut wird. Jelena ist nicht die Einzige, für die diese Entscheidung der deutschen Besatzung ein absoluter Glücksfall ist.
00:15:10: Jelena Gortschakowa: Damals waren zwei Direktoren im Amt: der Sänger und Dirigent Konstantinow, der in Tschaikowskis Oper „Eugen Onegin“ die Rolle des Lenski sang, und Toni Graschberger, ein deutscher Soldat und Theaterregisseur aus München. Und es gab zwei Dolmetscherinnen, eine Russin und eine Deutsche. Alle Anliegen vonseiten der Künstler beantworteten sie in Absprache mit der obersten Leitung.
00:15:33: Jasmin Lörchner: Okay, jetzt müsst ihr kurz einen kleinen Sprung mit mir machen. Denn jetzt betritt sozusagen eine andere Figur die Bühne: Toni Graschberger. Er wird 1915 in München geboren und ist wie Jelena von Theater und Ballett fasziniert. Er war als Jugendlicher Mitglied im Katholischen Jungmännerverband, der 1937 verboten wurde. Die Jugendlichen dort gingen gemeinsam mit den Gruppenleitern viel ins Theater und in die Oper, weil sie vom Kino ferngehalten werden sollten. Vielleicht entdeckt Toni dort seine Liebe zur Bühne. Er studiert jedenfalls Kunstgeschichte und Kostümkunde und besucht dann eine Schauspielschule. Aber dann kommt der Krieg und Toni wird eingezogen. Toni hat ganz offensichtlich auch nach dem Verbot des Katholischen Jungmännerverbands noch einen engen Bezug zur katholischen Kirche. Er dient erstmal als Soldat an der Front. Aber in dieser Zeit entsteht ein Brief an seinen Pfarrer in Deutschland, und der zeigt auch, wie groß die Sehnsucht nach dem Theater für Toni ist:
00:16:35: Toni Graschberger: Fern aus Rußland, vom Asowschen Meere kommt dieser Brief zu Ihnen. Wir sind weit vorgestoßen. Mit Beginn des russ. Feldzuges sind wir ja als Panzerdivision an der Spitze. Eine große Vernichtungsschlacht nach der anderen wurde geschlagen, und immer noch ist der Widerstand des Russen hart und zäh. Meter für Meter muß ihm unter schweren blutigen Kämpfen abgerungen werden. Und jetzt stehen wir wieder kurz vor dem größten Unternehmen. Nach dem zu schließen, was hier der Gegner aufgefahren hat, können wir uns auf etwas gefaßt machen. Aber auch dieser Widerstand wird und muß gebrochen werden, und wenn es noch so hart geht. Eines Tages geht es auch mit Rußland zu Ende. Und dann sind wir dem Frieden ein gutes Stück näher gerückt. Ich selbst habe hier schon viel gesehen und erlebt. Doch eins füllt vor allem meine Tage hier aus. Eine ungeheure Sehnsucht nach dem Theater … habe ich [durch] das Erlebnis der Front bekommen. Ist mir das Glück beschieden, heil aus dem Krieg zurückzukommen, so hoffe ich, hat mich all das Schwere hier nur reifer gemacht und mich näher zum Wesentlichen gebracht. Allerdings, bis es so weit sein wird, daß ich wieder auf der Bühne stehen darf, wird noch geraume Zeit vergehen.
00:17:53: Jasmin Lörchner: Ihr merkt schon, das ist ein befremdliches Nebeneinander: Einerseits so ein Propagandasprech, andererseits diese große Liebe zum Theater. Ihr müsst allerdings auch im Hinterkopf haben, dass die Feldpost damals zensiert wird. Das heißt, Toni Graschberger kann sich nicht ganz frei ausdrücken. Aber es wird auch deutlich, dass er den rassistischen Überzeugungen der Nazis folgt, denn er spricht den Russen weitgehend ihre Kultur ab.
00:18:19: Toni Graschberger: Über das Elend der russ. Bevölkerung ist in unseren Zeitungen … bestimmt geschrieben worden. Und doch kann die ausführlichste Schilderung nicht ein entferntes Bild der Wirklichkeit geben. Solche Zustände sind für uns als Deutsche einfach unfaßbar. Wenn man gezwungen ist, Tag für Tag diese Bilder zu sehen, hat man nur den Wunsch, so schnell wie möglich fort aus diesem Lande. Ich hätte mich sehr gefreut, wenn ich Griechenland … und diese klassischen Stätten gesehen hätte, aber wir sitzen dagegen in diesem Rußland. Lieber Herr Kurat, ich muß schließen, es geht weiter. Bitte entschuldigen Sie die schlechte Schrift, ich kann hier nur mit großer Mühe schreiben. Meine Hände machen mir große Schwierigkeiten. Auch des Papieres wegen muß ich um Entschuldigung bitten, es gibt ja in Rußland nicht einmal Briefpapier, ein Schulheft muß als Ersatz dienen. Ich bleibe mit den herzlichsten Grüßen Ihr Toni Graschberger
00:19:08: Jasmin Lörchner: Dass der zu verwaltende Mangel – zum Beispiel das fehlende Briefpapier – wohl auch von den Deutschen verursacht ist, das reflektiert Graschberger nicht. Auch die Zeitung „Front-Oper“ ignoriert und verschweigt die deutsche Verantwortung für Mangelerscheinungen. Sie erzählt nur immer wieder davon, wie kompliziert es ist, Kostüme aufzutreiben oder Kulissen zu bauen. Auch an anderer Stelle fehlt es an Differenzierung. In den Augen der Deutschen ist einfach die gesamte Bevölkerung „russisch“. Dabei haben wir schon gelernt, wie gemischt die Zusammensetzung der Bevölkerung, insbesondere im Donbas, war. Gleichzeitig ist Graschbergers Sehnsucht nach dem Theater echt. Und damit wird das Theater in Stalino für ihn genauso eine Offenbarung, wie für Jelena, als er die Stadt erreicht. In der Zeitung „Front-Oper“ wird das so beschrieben:
00:19:57: Zeitung „Front-Oper“: „Vor rund einem Jahr kletterte ein Gefreiter einer Panzer-Division hinter den Kulissen der heutigen Front-Oper herum, betrachtete dieses, befühlte jenes, maß mit den Augen, verglich, trat zurück, benahm sich überhaupt recht merkwürdig, bis – ja, bis er von einem gestrengen Hauptmann entdeckt und nicht gerade sanft zur Rede gestellt wurde. „So, so. Fachmann sind Sie? Hm.“ „Jawohl, Herr Hauptmann.“ „Was sind Sie und wo?“ „Regisseur an den Münchener Staatstheatern, Herr Hauptmann!“ „Sie sind der Mann, den wir suchen!“
00:20:26: Jasmin Lörchner: Graschberger wird kurzerhand zum Intendanten gekürt. Die Zeitung zeigt nun ausführlich auf, was alles zu tun war, um das Theater wieder zum Laufen zu bringen. Vor allem aber betont das Propagandablatt:
00:20:39: Zeitung „Front-Oper“: Es fehlte nur eines, und das war das Entscheidende: Die Oper mußte deutschen Geist atmen, der deutsche Impuls mußte spürbar werden […]
00:20:46: Jasmin Lörchner: Das Blatt richtet sich an die deutschen Soldaten in der Region – und es macht die Haltung der deutschen Überlegenheit klar, die die Nazis für sich beanspruchen. Das Programm, das mithilfe der sowjetischen Künstler:innen auf die Beine gestellt wird, ist wirklich beeindruckend. Es tauchen so Titel wie „Carmen“ oder „Madama Butterfly“ auf. Also Opern, die auch heute noch gespielt werden. Auf einer Seite der Programmzeitung schmachtet uns auch Jelena, hier Lena genannt, entgegen, um Werbung für den „Verklungenen Traum“ nach Puschkin zu machen. Wahrscheinlich ist es dieses Foto, durch das Dmytro Tytarenko überhaupt erst auf ihre Geschichte aufmerksam wurde. Im Zentrum der Aufnahme stehen ihre großen Augen. Voller Sehnsucht blickt sie an der Kamera vorbei Richtung Himmel, die langen Haare umrahmen ihr Gesicht. Und noch etwas fällt bei der Lektüre dieser Frontzeitung auf: Es entsteht der Eindruck, dass die Bühne in Stalino zu einem Begegnungsort zwischen Besatzern und Besetzten wird. Die Machtasymmetrie bleibt, aber es gibt da auch Anerkennung. Da wird zum Beispiel der musikalische Leiter Konstantinov voller Respekt genannt und Graschberger schreibt in einem persönlichen Artikel voller Vorfreude:
00:22:01: Toni Graschberger: Unser Ballett – Ihr liebt es alle – hat sich innerhalb eines Jahres von 12 Mädels zu einem Opernballett von fast 60 Personen entwickelt. Anfänglich nur Begleitinstrument der Oper, konnte es jetzt schon mit eigenen Leistungen aufwarten, wie „Coppelia“ und „Verklungener Traum“ bewiesen haben. Ganz leise sei hier verraten, daß schon wieder ein neuer, noch größerer Ballettabend in Vorbereitung ist.
00:22:25: Jelena Gortschakowa: Als [der Regisseur] erfuhr, dass ich eine Ausbildung zur Choreografin abgeschlossen hatte, gab er mir die Hauptrolle der Swanilda. Vor der Eröffnung des Theaters wollte die Theaterintendanz das Donezker Publikum mit dem klassischen Erbe vertraut machen, weswegen alles für das Ballett „La Fille mal gardée“ vorhanden war. Die Hauptrolle der Lisa habe ich getanzt.
00:22:48: Jasmin Lörchner: Jelena, die Primaballerina und Anführerin einer Gruppe „Mädels“, die immer größer wird. Wenn wir uns vorstellen, dass allein im Ballett 60 Personen arbeiten, können wir ahnen, wie groß dieser Theaterbetrieb mit der Zeit wurde. Herr Tytarenko, bitte schildern Sie uns mal, welche Bedeutung das Theater in Stalino für die Besatzer hatte. Warum war es den Deutschen das wert, hier so viele Ressourcen zu investieren?
00:23:12: Dmytro Tytarenko: Nach der Besetzung haben die lokalen Behörden, die Zivilbehörden, also Stadtverwaltung und die deutsche Kommandantur, sich alle gleichzeitig um die Wiedereröffnung und Inbetriebnahme des Theaters bemüht. Aber auch damit verfolgten sie wiederum vor allem einen Zweck: den deutschen Soldaten in Stalino Unterhaltung zu bieten, Unterhaltung auf hohem Niveau. Außerdem wurde das Theater für alle möglichen Propagandaveranstaltungen genutzt, etwa für Feierlichkeiten zum Jahrestag der Eroberung. Intendant des Theaters war ein Deutscher namens Otto … nein, Toni Graschberger, der seine Karriere in München begonnen hatte und sie übrigens, um das vorwegzunehmen, nach dem Krieg an deutschen Theatern fortgesetzt hat. Ein Profi durch und durch, also ganz generell … dem lokalen Ensemble gegenüber genauso wie den Deutschen gegenüber, mit denen sie zu tun hatten, also dem deutschen Verwaltungsapparat und den deutschen Musikern. Soweit ich Einblick habe und das beurteilen kann, waren die Beziehungen untereinander ziemlich normal, immerhin waren das ja lauter Menschen der Kunst. Na, und die Kunst, die Kultur ist ja oft das Werkzeug, das die Völker eher vereint als trennt. Dieser Theaterbetrieb in Stalino war für die Deutschen ein wichtiger Faktor, aber eben im Hinblick auf Erholung, sozusagen, für die deutschen Soldaten. Weil es tatsächlich zentral organisierte Ausflüge von der Frontlinie zum Stadttheater Stalino gab.
00:22:46: Jasmin Lörchner: Also ich weiß nicht, wie es euch geht. Aber für mich ist das irgendwie eine schwer vorstellbare Situation. Da sind Menschen in einer besetzten Stadt und treten für ihre Besatzer auf. Mehr sogar: die offizielle russischsprachige Zeitung der Besatzer – Donezki Westnik – berichtet regelmäßig über Reisen und Auftritte der Theatergruppe direkt an der Front – also da, wo deutsche Soldaten gegen die Rote Armee kämpfen. Das Tanzen wird für Künstler:innen wie Jelena zur Überlebensstrategie. Zwischen Besetzten und Besatzern gibt es eigentlich kaum Verständigungsmöglichkeiten bis auf zwei Übersetzerinnen. Aber da dürfen wir natürlich nicht vergessen: Gerade das Ballett braucht ja keine Sprache, um es zu verstehen. Und bei der Oper kennen die Zuschauer:innen das Libretto oder sie kennen es eben nicht. Das Leben der Primaballerina Jelena war aber nicht gerade glanzvoll.
00:25:41: Jelena Gortschakowa: Um 18:00 Uhr begann immer die Ausgangssperre, das heißt, dass jeder, der keinen Passierschein hatte, einfach von deutschen Patrouillen erschossen wurde. Wir hatten Angst, haben gehungert und gefroren. Das Theater wurde überhaupt nicht geheizt, es gab keine Garderobe, keine Karten und keine Kasse. Am Tag der Aufführung wurde einfach ein Schild mit dem Titel des Stücks und der Uhrzeit vor das Theater gestellt.
00:26:05: Jasmin Lörchner: Jelena betont in ihrer Autobiografie, dass sie nicht nur für die Deutschen getanzt haben will. Sie beschreibt da eine Szene, in der schon zu hören ist, dass die Rote Armee näher kommt:
00:26:17: Jelena Gortschakowa: Das russische Publikum folgte dem Ruf seines Herzens, der Saal war voll. Hungrig, mürbe, mit traurigen Augen, in Mützen und Schals, während der Aufführungen fielen oft Bomben, die Künstler wurden mit begeistertem Applaus belohnt, ihre Kunst half den Menschen, die harte Besatzungszeit im Krieg zu überstehen. Bezahlt wurden die Künstler nicht.
00:26:47: Dmytro Tytarenko: Wir dürfen nicht vergessen, dass nicht nur deutsche, sondern auch russische und ukrainische Werke aufgeführt wurden. Es wurde klassische Musik nicht nur von deutschen, sondern auch von russischen und ukrainischen Komponisten gespielt. Und schließlich waren ja auch die Gäste des Theaters nicht nur Wehrmachtssoldaten, sondern auch Einheimische. Es wurden auch Theaterbesuche für Gruppen organisiert. Natürlich waren die besten Plätze im Parterre immer für die Deutschen reserviert. Aber es gab auch getrennte Vorstellungen.
00:27:14: Jasmin Lörchner: Erinnert ihr euch noch an die Kinobesuche in Folge vier? Soja hat es geliebt, im Kinosaal in andere Welten einzutauchen. Und ein bisschen ist es sicherlich auch so, dass die Oper und das Ballett solche Räume zum Träumen bieten. Sie sind Alltagsflüchte und sie verbinden die Menschen jenseits der Sprache. Hier geht es um Kunst. Zugleich hat Kunst eben immer auch eine politische Dimension. Das Theater kann auch zum Ort der Ausgrenzung werden: Wer darf welche Veranstaltungen besuchen? Wenn ihr an die Zeit vor dem Holocaust denkt, werden Jüdinnen und Juden ja zum Beispiel schon vorher ausgeschlossen und dürfen zum Beispiel nicht mehr kommen. Und bei einem so großen Gebäude wundert es auch nicht, dass das Theater als Versammlungsort genutzt wird.
00:28:00: Jelena Gortschakowa: Ich kann mich noch gut daran erinnern, was während der Schlacht um Stalingrad im Theater los war: Ganze Kolonnen von Deutschen füllten abwechselnd den Zuschauerraum, auf der Bühne spielte ein Cembalo, und sie beteten stundenlang, baten Gott um den Sieg über den Kommunismus. Ihre Gesichter waren fanatisch flehend und jämmerlich.
00:28:23: Jasmin Lörchner: Aus dieser Textstelle wird Jelenas Ablehnung deutlich – eine Ablehnung des Faschismus. Aber vielleicht lehnt sie auch die Tatsache ab, dass hier der Theatersaal politisiert und umgenutzt wird.
00:28:35: Dmytro Tytarenko: Es versteht sich von selbst, dass es da nicht nur um Informationserhalt ging, sondern um Entspannung, um Ablenkung von den schwierigen Umständen unter der Besatzung. Denn egal was passiert, auch jetzt, wenn wir eine Parallele zur heutigen Kriegssituation ziehen, das Kulturleben steht nicht still. Es bleibt aktiv. In verschiedener Form, mit anderen Akzenten, aber es geht weiter.
00:28:59: Jasmin Lörchner: Dmytro Tytarenko hat es gerade schon angesprochen: Das kulturelle Leben hört nicht auf. Aber ist das eine Selbstverständlichkeit oder muss das hinterfragt werden? Ist eine Primaballerina, die für die Nazis auftritt und damit gewissermaßen die Soldaten bei Laune und das Regime stabil hält, eine Kollaborateurin? Andererseits hat sie ihren Mitmenschen, die unter der Besatzung leben müssen, einen kurzen Moment des Durchatmens geboten. Und sich selbst vor der Deportation geschützt. Gleich zwei Mal musste Jelena beim Arbeitsamt vorsprechen und beweisen, dass sie am Theater gebraucht wurde. Was denkt ihr also – ist Jelena eine Kollaborateurin? Für mich ist sie das eindeutig nicht. Sie hat ihre Kunst geliebt und sie wollte weiter ihren Traum verfolgen. Tanzen! Wahrscheinlich ist es eher so, wie Frau Penter es uns in Folge eins erklärt hat – die wenigsten Menschen waren entweder direkte Kollaborateur:innen oder im Widerstand. Der Alltag ist immer mit den Grauzonen dazwischen verwoben.
00:30:04: Jelena Gortschakowa: Nach der Niederlage der Deutschen bei Stalingrad wurde alles zum Abtransport vorbereitet: Kostüme, Noten, Musikinstrumente, Kulissen, die Samtvorhänge, sogar die Polsterbezüge der Zuschauersitze nahmen sie mit. Die deutschen Soldaten packten alles in Kisten und schickten es mit der Eisenbahn nach Deutschland. Es folgte ein Befehl der Militärkommandantur: Ausnahmslos alle, die am Theater beschäftigt sind, müssen nach Deutschland. Meine Mutter, meine drei Geschwister und ich versteckten uns mehrere Tage in verlassenen Winkeln vor den Deutschen und warteten auf unsere Befreier.
00:30:42: Jasmin Lörchner: Die Deutschen wollen auch die Mitarbeiter:innen des Theaters evakuieren. Wahrscheinlich, weil sie sich genau bewusst sind, wie wichtig die Unterhaltung für die Truppenmoral ist. Aber was wirklich überraschend ist: Jelena Gortschakowa wird nie wegen Kollaboration verurteilt. Dabei werden zum Teil sogar Putzfrauen, die für die Deutschen gearbeitet hatten, hart bestraft. Aber Jelena gelingt im Moment des Machtwechsels 1943 in Stalino ein Neustart, der ihr auch nach dem Krieg Schutz bietet. Denn auch die sowjetischen Soldaten wollen unterhalten werden. Sie meldet sich sofort nach der Befreiung der Stadt bei der Roten Armee. Offiziell sind sie und die anderen Tänzerinnen jetzt auch Rotarmistinnen und tanzen auf improvisierten Bühnen, zum Beispiel auf der Ladefläche von LKWs, für ihre Mitkämpfer. Sie rücken mit der Roten Armee vor, Richtung Rumänien, dann in die Tschechoslowakei. Als Jelena krank wird, kehrt sie nach Stalino zurück. Und erinnert ihr euch noch an die Spitzenschuhe, die sie den ganzen Krieg über als Glücksbringer aufbewahrt hat? Am Tag der Kapitulation der Deutschen, in der Sowjetunion ist das der 9. Mai, zieht sie die Schuhe noch einmal an.
00:31:55: Jelena Gortschakowa: Ich habe versucht, für unsere Krieger zu tanzen, habe den Sieg in diesen Spitzenschuhen gefeiert, habe am 9. Mai 1945 auf dem Theaterplatz in Stalino für das jubelnde Volk getanzt. Ich habe sie 36 Jahre lang aufbewahrt und dann dem Museum des 8. Bataillons der 8. Luftarmee vermacht, in dem ich als Rotarmistin gedient habe.
00:32:20: Jasmin Lörchner: Wo Toni Graschberger zum Zeitpunkt der Kapitulation ist, wissen wir nicht. Aber wir wollen euch noch ein bisschen mehr über seinen Lebensweg erzählen. Er kehrte nämlich nach Deutschland zurück und machte weiter Karriere am Theater. Er war Intendant ganz unterschiedlicher Bühnen, zuerst in Ingolstadt, später auch in Norddeutschland. Für mich ist es ein bisschen kurios: Während er in Stalino noch die Hochkultur inszenierte, begleitete ihn später vor allem einer: Karl May. Schon während seiner Intendanz in Ingolstadt ab 1949 ließ Graschberger in einem Steinbruch ein Karl May-Stück aufführen. Und später übernahm er sogar die Intendanz in Bad Segeberg bei den Karl May-Spielen. Jelena dagegen bleibt ihrer Heimatstadt treu und hilft in Stalino beim Wiederaufbau des Theaters. Sie baut sich dabei auch ihre Karriere noch einmal ganz neu auf. Ihr Einsatz für die Rote Armee wird ausgezeichnet. 1951 wird sie als „Verdiente Künstlerin der Ukraine“ geehrt. In ihrer Autobiographie blickt sie auf ein erfülltes Leben zurück – und vielleicht ist ihre distanzierte Haltung zur Zeit unter Besatzung auch vor diesem Hintergrund zu verstehen, dass sie sich immer wieder damit befassen musste, knapp zwei Jahre für die Deutschen getanzt zu haben. Ein Schatten, der auf allem Weiteren lag und mal mehr und mal weniger sichtbar war. Jelenas Leben, Wladimirs Leben, Ejchman, Margarita und Soja: Sie alle zeigen, dass der Krieg mit dem 8., oder eben 9., Mai 1945 noch nicht wirklich vorbei war. Dass das Leben unter deutscher Besatzung in Stalino für alle auch dann noch über ihnen hing, als die der die Deutschen längst abgezogen und der Krieg offiziell beendet war. Wenn ihr das Foto von Jelena oder andere Unterlagen über die Besetzung im Donbass sehen wollt, schaut euch unbedingt unsere Scrolldoku auf [stalino.dekoder.org](https://stalino.dekoder.org) an. Und was heißt das alles jetzt eigentlich für uns? Für mich drängt sich auch immer wieder die Frage nach den Parallelen oder dem Zusammenhang zum Krieg heute auf. Ich habe darum auch mal Tanja Penter, die für ihre Forschungen viel und lange im Donbas war, gefragt, wie sie den Krieg wahrnimmt. Also aus Perspektive der Historikerin, die sich intensiv mit der Region befasst hat.
00:34:43: Tanja Penter: Seit Beginn des Kriegs 2014 ist der Donbas ja nur kurzzeitig in den Fokus einer internationalen Öffentlichkeit gerückt. Man hat den Krieg und das Leid der Menschen dort leider sehr schnell wieder vergessen. Der Donbas entwickelte sich zunehmend zu einer Blackbox. Die Region ist durch den seit 11 Jahren, das muss man sich immer wieder klar machen, also dort herrscht seit 11 Jahren Krieg, ist sie eben leider in eine zunehmende Isolation geraten. Wenn ich zurückblicke, dann erinnere ich mich ja an eine ganz andere, eine vergleichsweise, glücklichere Zeit im Donbas Anfang der 2000er Jahre, als ich eben regelmäßig zu Forschungsarbeiten in den Donbas fuhr, in den Archiven arbeitete und auch viele Begegnungen und Gespräche mit ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern hatte. Damals begannen wir auch die ersten Interviews mit den Zeitzeuginnen aus dem Donbas aufzuzeichnen. Obwohl viele Menschen, damals erhebliche wirtschaftliche Sorgen hatten, herrschte so etwas wie eine positive Aufbruchstimmung. Jedenfalls habe ich das damals so wahrgenommen und erinnere mich daran. Einige, die das konnten, nutzten die neuen Möglichkeiten des Reisens oder auch des Studiums im Ausland. Wenn ich heute an die Situation des Donbas nach einem möglichen Ende des Krieges denke, dann macht mich das sehr traurig. Die Umweltprobleme in der Region sind enorm, Umweltwissenschaftler haben prognostiziert, dass einige Gebiete womöglich unbewohnbar werden könnten. Hinzu kommt, dass die Wasserversorgung der Bevölkerung in Donezk derzeit nicht gesichert ist. Das ist ein riesiges Problem und birgt das Risiko einer humanitären Katastrophe. Man hört viel zu wenig in den Medien dazu. Und all das kommt noch nach einem möglichen Kriegsende zu der gewaltigen Aufgabe hinzu, mit den tiefen seelischen Wunden umzugehen, die dieser Krieg hinterlassen hat.
00:36:55: Jasmin Lörchner: Was mich da berührt hat und was wir erst rückblickend so wahrnehmen, das ist der Optimismus der 2000er Jahre. Der Kosovo-Krieg war vorbei und viele hofften und glaubten, dass Krieg in Europa jetzt Geschichte sei. Wenn wir dieses Podcast in 2000er Jahren gemacht hätten – naja, damals wäre es wohl eher eine Radio-Doku gewesen – dann wäre es ein rein historisches Projekt, über ein wichtiges Thema, aber weit in der Vergangenheit. Heute ist das nicht mehr möglich. Weil ich euch seit fünf Folgen vom Kriegsalltag und der Besatzung in einer Region erzähle, in der heute wieder gekämpft wird. Und in der wieder Kriegsverbrechen gegen die örtliche Bevölkerung begangen werden. Ich habe in diesen fünf Folgen viel gelernt. Über eine Stadt in der Ukraine, die ich bisher nur aus Nachrichtenbeiträgen kannte und die jetzt eine ganz andere Tiefe für mich bekommen hat. Die ich jetzt mit Menschen und ihren Biografien verknüpfe. Mir ist jetzt noch deutlicher, wie die Nazis ihren Rassismus auch in der Ukraine voll und ganz ausgelebt haben. Dass sie den Donbas ausbeuten wollten, ein Hungerregime geführt haben. Wir haben unsere Podcastreihe angefangen mit einer Frage: Kannst du dir vorstellen, du lebst in einer besetzten Stadt? Ich will ganz ehrlich mit euch sein: Ich kann das nicht so richtig. Immer noch nicht. Aber ich bin dem Eindruck ein bisschen nähergekommen. Ich habe verstanden, was die Menschen damals in Stalino bewegt hat. Der Hunger, die kleinen Sorgen des Alltags, die großen existenziellen Fragen, das Nebeneinander von Grausamkeit und Alltag. Oder vielleicht auch das Verschmelzen von Grausamkeit und Alltag. Und auch, dass die Besatzung nicht unbedingt nach einer Befreiung zu Ende geht. Für die Menschen, die die Besatzung erlebt, durchlebt und überlebt haben, ist die Erinnerung daran nicht einfach verblasst. Und trotzdem habt vielleicht auch ihr die Frage: Was hat das alles eigentlich mit mir oder mit uns heute zu tun? Natürlich wollen wir die Erfahrungen der Besatzung im Zweiten Weltkrieg mit den Ereignissen jetzt nicht einfach gleichsetzen. Trotzdem habe ich mich gefragt, welche Rolle der Zweite Weltkrieg eigentlich für die Menschen im Donbas, in der Ukraine und in Russland heute spielt. Diese Frage habe ich auch der Journalistin Luzia Tschirky gestellt, die ihr auch schon aus den früheren Folgen kennt.
00:39:14: Luzia Tschirky: Also ganz grundsätzlich ist es bestimmt so, dass es in beiden Ländern, in der Ukraine und in Russland, keine Familie gibt, die nicht vom Zweiten Weltkrieg betroffen war. In irgendeiner Art und Weise waren alle vom Zweiten Weltkrieg betroffen. Im Unterschied zur Ukraine war Russland nie komplett von der deutschen Wehrmacht besetzt. Die Ukraine war auf dem gesamten Staatsgebiet, auch der gesamte Donbas war unter Besatzung der deutschen Wehrmacht. Das war unter Kontrolle der deutschen Wehrmacht dieses Gebiet. Und das hatte natürlich für die Menschen vor Ort verheerende Folgen. Es gab Menschen, die evakuiert werden konnten, ja, aber die Zahl der Menschen, die evakuiert werden konnten aus dem Gebiet der Ukraine ist viel geringer als die Zahl der Menschen, die evakuiert werden konnten aus dem Gebiet, das zur Russischen Föderation gehört, also international anerkannte Grenzen der Russischen Föderation. Und aufgrund der Tatsache, dass die deutsche Wehrmacht die gesamte Ukraine eingenommen hat, ist natürlich auch dann die Zerstörung der Ukraine. Also wenn man uns jetzt die Infrastruktur vor Ort, wie groß war die Zerstörung während des Zweiten Weltkrieges, wenn man sich die Statistiken betrachtet, dann war natürlich die Zerstörung in der Ukraine massivst. Es gibt Städte in der Ukraine, beispielsweise das betrifft jetzt eine Stadt, die auch unter Kontrolle ist, der russischen Armee zum aktuellen Zeitpunkt: Sewastopol. In Sewastopol waren 80 Prozent der aller Gebäude in der Stadt waren nach Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört. Das hat natürlich einen Einfluss bis heute in der Erinnerungskultur, weil in der Ukraine dann viele Orte fehlen, an welche man sich überhaupt erinnern könnte, weil diese Orte komplett zerstört worden sind. Es gibt einfach hier sehr weite Gebiete in der Ukraine, in denen gerade beispielsweise, was dann auch jüdische Stetl betrifft, also dann die Teile von Ortschaften, die größtenteils von Jüdinnen und Juden bewohnt waren, diese Infrastruktur ist komplett nicht mehr vorhanden. Das heißt, man kann gar nicht wirklich eine eine Erinnerung an den Orten selbst so, wie sie damals waren, machen, eine Erinnerungskultur aufbauen, weil diese Orte gar nicht mehr existieren und diese Menschen, die dort gelebt haben, getötet worden sind. In dem Sinne ist es, würde ich sagen, in der Ukraine ja an vielen Orten sehr schwierig überhaupt, an die Gräueltaten zu erinnern, weil eben nichts zurückgeblieben ist. Und dass sehr viele Menschen dann... auch nicht zurückgekehrt sind, also Menschen, die dann beispielsweise auch vertrieben worden sind. Diese Entwurzelung, die stattgefunden hat während des Zweiten Weltkrieges, selbstverständlich im 20. Jahrhundert nicht nur ausschließlich während des Zweiten Weltkrieges, sondern auch aufgrund von stalinistischer Repression beispielsweise, sind auch sehr viele Menschen aus der Ukraine deportiert worden und sind entwurzelt worden. Aber ich glaube schon, dass diese Entwurzelung auch heute noch in der Ukraine sehr spürbar ist. Das hat bei vielen Menschen auch, denke ich, die eine solche familiäre Geschichte von Entwurzelung haben, gerade im Donbas, eine Retraumatisierung ausgelöst. Gerade dann auch im Zusammenhang mit der Gegenwart. Ein junger Mann hat mir erzählt aus dem Donbas aus der Stadt Donezk, der Donezk verlassen hat nach 2014, dass er sich so komplett entwurzelt fühlen würde und keinen Zugang mehr zu seiner Heimat hat. Genauso wie auch schon seine Vorfahren entwurzelt worden sind, findet dann in diesen Familien eine erneute Entwurzelung statt durch den aktuellen Krieg, durch den Russischen Krieg gegen die Ukraine. Und ich glaube schon, dass das dann die Erinnerungskultur schon noch mal beeinflusst. Also im Sinne von, weil dann die Menschen plötzlich auch in ihrer Familie nochmals auf ein solches Trauma stoßen, dass sie bei sich selbst jetzt erleben müssen. Ich glaube schon, dass das die Erinnerungskultur verändert und dass es einen Unterschied gibt zu Russland, weil in Russland vom russischen Angriffskrieg nicht so viel zu spüren ist bisher. Also wenn man als Zivilistin, als Zivilist in Russland lebt, kann man den Krieg noch immer ignorieren. Das zumindest erzählen mir Leute, die aktuell noch in Russland leben, dass es immer noch die Möglichkeit gibt, für sehr viele Menschen, ins Private zurückzuziehen und sich mit dem aktuellen Krieg nicht auseinanderzusetzen.
00:43:01: Jasmin Lörchner: Auch für uns war es leicht, die Annexion der Krym durch Russland und die Kämpfe im Osten der Ukraine seit 2014 aus unseren Köpfen zu schieben – ehrlicherweise passiert das auch mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine seit 2022 noch oft. So nah die Ukraine auch ist, in unserem Alltag ist es leicht, den Krieg auszublenden. Unsere fünf Folgen über die Geschichte des Donbas haben mir darum auch etwas für die Gegenwart erzählt. Als Deutsche sind wir auf düstere Weise mit der Ukraine und dem Donbas verbunden. Wir haben großen Schaden angerichtet und wir tragen Verantwortung für diese Region. Dieser Podcast soll auch eine Erinnerung sein. Eine Erinnerung daran, was es bedeutet, im Krieg zu leben. Und eine Erinnerung daran, dass wir Menschen in vielen Fällen Entscheidungsmöglichkeiten haben, auch wenn unsere Handlungsspielräume sehr eingeschränkt sind. In unseren fünf Folgen haben wir erst einen Jungen kennengelernt. Wladimir, der die Besatzer beobachtet und vor allem versucht zu überleben. Notfalls auch mit Hilfe der Deutschen. Mit Andrej Ejchman haben wir einen Mann getroffen, der die deutsche Besatzungsmacht als Karrierechance genutzt hat – und mit ihr zu Grunde ging. Durch Margarita haben wir nicht nur gelernt, dass es eine jüdische Gemeinde in Stalino gab, die von den Deutschen ausgelöscht wurde. Sondern auch, dass es Menschen vor Ort gab, die bereit waren Jüdinnen und Juden zu schützen. Margarita hat überlebt. Mit Soja sind wir in den Widerstand in Stalino abgetaucht, haben aber auch erfahren, wie unfassbar bedrückend es ist, einen Deutschen, einen Besatzer, in der eigenen Wohnung sitzen zu haben. Und mit Jelena haben wir erlebt, wie sie die Besatzungsmacht unterhalten musste. Die Geschichten unserer Protagonist*innen zeigen ganz deutlich: Krieg stellt die Menschen vor unglaubliche Entscheidungen, die aber nicht immer nur schwarz-weiß sind. Entscheidungen, die sie dann für den Rest ihres Lebens mit sich tragen. In jeder Geschichte gibt es Grautöne. Vorgeschichten und Folgen, das Drumherum eben, die beeinflussen, welche Wahl die Menschen treffen und wie sie handeln. Der Podcast hat mir nicht nur gezeigt, wie wertvoll es ist, den persönlichen Erinnerungen von Überlebenden Gehör zu schenken. Es lohnt sich, auf diese Grauzonen zu schauen, die ich gerade angesprochen habe. Und genau das macht die Arbeit von Historiker*innen wie Tanja Penter, Dmytro Tytarenko und Jasmin Söhner auch so wertvoll: Dass sie uns solche Geschichten zugänglich machen und einordnen. Und dass sie so unser Verständnis für die Vergangenheit der Ukraine zu schärfen, aber auch dafür, wie sich das Trauma einer Besatzung für die Menschen im Donbas gerade wiederholt. Nicht nur im Gespräch mit ihnen, auch in der Auseinandersetzung mit Luzia Tschirky ist mir immer wieder bewusst geworden, welches große Privileg ich habe, in einer Demokratie und in Frieden zu leben. Wir nehmen das oft wie eine Selbstverständlichkeit wahr, aber das ist es eben nicht. Ich nehme aus dem Podcast deshalb auch eine Ermutigung mit. Eine Ermutigung an uns alle, beim nächsten Mal, wenn sich uns eine Handlungsmöglichkeit eröffnet, das Wort für die Demokratie zu erheben. Gegen den Krieg. Für die Menschlichkeit. Ich bin Jasmin Lörchner und das war die letzte Folge von „Stalino – Geschichten einer besetzten Stadt“ – Ein Podcast von dekoder in Kooperation mit der Universität Heidelberg. Produziert von Berlin Producers Media Das Projekt wird in der Bildungsagenda NS-Unrecht von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) gefördert.
Neuer Kommentar